Die kurze Antwort
Ein Moonpool ist eine senkrechte Öffnung durch den Rumpf eines Schiffs oder einer Plattform, die unten zum Meer und oben zur Luft offen ist. Die Besatzung senkt darüber Ausrüstung wie Taucherglocken, ROVs, Bohrstränge und Messgeräte ab und holt sie wieder ein, ohne über die Bordwand arbeiten zu müssen.
Wie ein Moonpool funktioniert
Ein Moonpool ist ein wasserdichter Schacht, oft Moonpool-Trunk genannt, der vom Kiel bis zu einem Arbeitsdeck durch das Schiff führt. Die Schachtwände gehören zur Rumpfstruktur. Der Rest des Schiffs bleibt deshalb trocken, während Seewasser den Schacht bis zur Wasserlinie füllt.
Ein Kran, eine Winde oder ein Handhabungssystem über dem Schacht senkt die Ausrüstung senkrecht durch das Wasser im Trunk ab. Da der Moonpool im Rumpf liegt, bewegt sich die Ausrüstung durch ruhigeres Wasser als an der Bordwand.
Warum Schiffe einen Moonpool nutzen
Wer Ausrüstung über die Bordwand aussetzt, setzt sie Wellen, Wind und der vollen Rollbewegung des Schiffs aus. Ein Moonpool liegt meist nahe der Schiffsmitte, wo Tauch- und Rollbewegungen am kleinsten sind. So lässt sich Ausrüstung auch bei raueren Bedingungen aussetzen und bergen.
Der Schacht schützt außerdem Hubseile, Versorgungsleitungen und Personal vor der offenen See. Das ermöglicht längere Einsatzfenster, sicherere Handhabung und auf Forschungs- und Polarschiffen den Einsatz von Instrumenten, wenn die Meeresoberfläche mit Eis bedeckt ist.
Welche Schiffe einen Moonpool haben
Moonpools sind auf Bohrschiffen und halbtauchenden Bohreinheiten üblich, bei denen der Bohrstrang durch die Öffnung läuft. Tauchunterstützungsschiffe setzen darüber Sättigungstaucherglocken aus, und Offshore-Bauschiffe nutzen sie für ROVs, Subsea-Werkzeuge sowie das Verlegen von Kabeln und Rohrleitungen.
Auch Forschungsschiffe, Vermessungsschiffe und einige spezialisierte Fischerei- und Subsea-Mining-Schiffe haben einen Moonpool. Die Größe reicht von einem kleinen Schacht für einen Sensor bis zu Öffnungen von mehreren Metern für Bohr- oder Bauarbeiten.
Warum das Schiff nicht sinkt
Das Wasser im Moonpool steigt nur bis zur Höhe des Meeres außen, also bis zur Wasserlinie des Schiffs. Der Auftrieb kommt vom wasserdichten Rumpf rund um den Schacht, daher gelangt durch den offenen Trunk kein Wasser in den Rest des Schiffs.
Konstrukteure müssen jedoch berücksichtigen, dass sich das Wasser im Schacht bewegt. Bei Seegang kann die Wassersäule kolbenartig auf und ab schwingen oder seitlich schwappen. Das beeinflusst den Freiraum zum Deck, die Handhabung der Ausrüstung und die Lasten auf die Trunk-Struktur.
Der Nachteil: Widerstand während der Fahrt
Ein offener Moonpool stört die Strömung am Schiffsboden. Während der Fahrt strömt Wasser in die Öffnung hinein und wieder heraus. Das erhöht den hydrodynamischen Widerstand und damit Kraftstoffverbrauch und Emissionen.
Übliche Maßnahmen sind Dämpfungseinrichtungen im Trunk, eine gezielt geformte Öffnung und Moonpool-Bodentüren. Bodentüren verschließen die Öffnung bündig mit dem Rumpf, sodass das Schiff mit glattem Boden fährt, wenn der Moonpool nicht genutzt wird.
Moonpool-Türen und Moonpool-Luken
Eine Moonpool-Tür verschließt den Schacht auf Kielhöhe. Sie wird meist hydraulisch betätigt, in geschlossener Stellung verriegelt und mit einer Positionsrückmeldung ausgestattet. So weiß die Brücke oder der Kontrollraum, ob die Tür offen, geschlossen und verriegelt ist.
Eine Moonpool-Lukenabdeckung verschließt den Schacht oben auf Deckshöhe. Sie verhindert, dass Personen oder Material in die Öffnung fallen, und schützt das Arbeitsdeck vor Wasser, das im Trunk aufsteigt. Viele Schiffe nutzen beides: Türen unten für die Fahrt und Luken oben für sicheres Arbeiten an Deck.
Beide werden auf die genaue Geometrie des Moonpools ausgelegt und von der Klassifikationsgesellschaft des Schiffs genehmigt, etwa DNV, ABS, Lloyd’s Register oder Bureau Veritas.
